StartNewsCountdown im Rosenkrieg zwischen Depp und Heard

Countdown im Rosenkrieg zwischen Depp und Heard

Vor dem ziegelroten Gerichtsgebäude des US-Bezirks Fairfax in Virginia spielen sich seit Wochen die gleichen Szenen ab: Hunderte Fans säumen die Straße, lauter Jubel bricht aus, wenn Johnny Depp vor dem Gericht vorfährt.

Strahlend winkte der «Fluch der Karibik»-Star auch seinen Anhängern aus dem dunklen SUV-Fahrzeug zu. Deutlich weniger Fans feuern hingegen die «Aquaman»-Schauspielerin Amber Heard auf ihrem Weg ins Gericht an.

Seit sechs Wochen tragen die Ex-Eheleute ihren bitteren Streit um Vorwürfe von Gewalt und Missbrauch öffentlich aus. Die Schlammschlacht vor den Augen der Geschworenen wird von Gerichtskameras übertragen. Schaulustige stellen sich schon nachts an, um einen der Hundert begehrten Zuschauerplätze im Gerichtssaal zu ergattern. Nun läuft der Countdown – am Freitag werden die Abschlussplädoyers erwartet, dann geht der Fall an die sieben Geschworenen.

Der Prozess habe ihr unzählige Gemeinheiten eingebracht, sagte Heard am Donnerstag aus. «Ich werde jeden einzelnen Tag belästigt, gedemütigt und bedroht, alleine schon wenn ich in diesen Gerichtssaal laufe», sagte die Schauspielerin. «Ich bekomme regelmäßig Hunderte Morddrohungen, quasi täglich. Tausende, seit dieser Prozess begonnen hat. Die Menschen machen sich lustig über meine Aussagen, dass ich missbraucht worden bin.»

Depp habe ihr einst gesagt, dass, wenn sie ihn verlasse, er dafür sorgen werde, dass sie jeden Tag ihres Lebens an ihn denken werde, sagte Heard aus. «Johnny hat genug von meiner Stimme und dem Recht, meine Geschichte zu erzählen, genommen. Ich habe das Recht zu erzählen, was passiert ist.»

«Unglaublich brutal», «grausam», «demütigend»

Depp, im dunklen Anzug, die Haare zum Pferdeschwanz zurückgekämmt, trat noch einmal in den Zeugenstand. Es sei «wahnwitzig», Heards Anschuldigungen von Gewalt in diesem Prozess anzuhören. Während der Befragung durch sein Anwaltsteam beschrieb der Schauspieler die Vorwürfe unter anderem als «schrecklich», «lächerlich», «unglaublich brutal», «grausam», «demütigend» und «völlig falsch». Er habe «niemals» körperliche Gewalt angewendet, versicherte Depp.

Zum Auftakt seiner Aussage im April hatte Depp eingeräumt, dass es in ihrer Beziehung oft zu Streit gekommen sei. «Aber niemals bin ich an den Punkt gekommen, Miss Heard auf irgendeine Weise zu schlagen, noch habe ich jemals in meinem Leben eine Frau geschlagen», sagte er unter Eid. Vielmehr habe die Schauspielerin ein «Bedürfnis nach Gewalt» gehabt und ihn angegriffen.

«Durch seine Sucht zum Monster geworden»

Auch Heard ging im Laufe des Prozesses mit Depp hart ins Gericht. Teils unter Tränen beschrieb sie angebliche Vorfälle, in denen sie Opfer seiner Wutausbrüche und Angriffe geworden sei. Ihrer Aussage nach wurde Depp, vor allem im Rausch, häufig handgreiflich. Der Mann, den sie liebte, sei durch seine Sucht zum «Monster» geworden. Die Schauspielerin beschrieb verbale Attacken, in denen Depp angeblich damit gedroht habe, er könne sie umbringen. Er habe sie als «Hure» beschimpft und ihr grundlos vorgehalten, sie würde ihn betrügen. Es sei auch zu sexueller Gewalt gekommen. Heards Anwälte zeigten Fotos von der Schauspielerin, etwa mit einem blauen Fleck am Oberarm.

Den Zuschauern im Gericht blieb nichts erspart. Die Anwälte beider Seiten fuhren schweres Geschütz auf: schockierende Handy-Videos mit übelsten Beschimpfungen, Schilderungen von Alkohol- und Drogenexzessen, es geht um eine abgetrennte Fingerkuppe, sexuellen Missbrauch mit einer Flasche und um Fäkalien im Bett.

Auch Supermodel Kate Moss im Zeugenstand

Dutzende Zeugen kamen in dem Prozess zu Wort, Assistenten der Schauspieler, Psychologen, Polizisten, Finanzberater und Filmexperten. Auch Promis sagten aus. Nur wenige Minuten dauerte der Auftritt des Supermodels Kate Moss, einer Ex-Freundin von Depp. Die 48-jährige Britin, per Video aus England ins Gericht zugeschaltet, nahm Depp in Schutz. «Er hat mich nie gestoßen, getreten oder eine Treppe runtergeworfen», sagte Moss. Damit trat sie einer Aussage von Heard entgegen, die einen angeblichen Angriff von Depp auf Moss angesprochen hatte.

Schauspielerin Ellen Barkin, die 1994 mit Depp befreundet war, hatte für Heard Partei ergriffen. In einer aufgezeichneten Videoaussage beschrieb sie Wutausbrüche, kontrollierendes Verhalten und häufigen Drogenkonsum des Schauspielers. Auf der langen Zeugenliste der Verteidiger standen auch Tesla-Chef Elon Musk, ein Ex-Freund von Heard, und der Schauspiel-Kollege James Franco – doch keiner der beiden sagte am Ende aus.

Depp und Heard hatten sich 2009 bei den Dreharbeiten zu dem gemeinsamen Film «The Rum Diary» kennengelernt. Ihre Romanze begann 2011 auf einer Werbetour für den Film, nach Depps Trennung von seiner langjährigen Partnerin, der französischen Schauspielerin Vanessa Paradis, mit der er zwei Kinder hat. 2015 heirateten Depp und Heard, doch nach nur 15 Monaten Ehe reichte die Schauspielerin die Scheidung ein, nach Vorwürfen von häuslicher Gewalt.

Im Gerichtssaal saßen die Ex-Eheleute nur wenigen Meter voneinander entfernt. Depp vermied den Blickkontakt, hielt seinen Kopf häufig gesenkt.

In seiner Zivilklage hält Depp der Schauspielerin vor, in einem 2018 von der «Washington Post» veröffentlichten Kommentar zum Thema häusliche Gewalt falsche Aussagen gemacht zu haben. Dies habe seinem Ruf und seiner Karriere geschadet. Wegen Verleumdung klagt er auf rund 50 Millionen Dollar (gut 46 Millionen Euro) Schadenersatz. Heard pocht in einer Gegenklage auf 100 Millionen Dollar. Sie macht geltend, dass Depps Ex-Anwalt Adam Waldman mit einer Schmutzkampagne ihrem Ansehen geschadet habe.

Sieben Geschworene das letzte Wort

Vor zwei Jahren hatte Depp in London mit einer Klage gegen die Boulevardzeitung «Sun» eine Niederlage einstecken müssen. Es ging um einen Artikel, in dem behauptet wurde, Depp habe als Frauenschläger («wife beater») Heard körperlich misshandelt. Nach einem Prozess mit heftigen Vorwürfen wies der High Court die Klage am Ende ab. Die Mehrheit der in der Zeitung erwähnten Vorwürfe habe sich als wahr erwiesen, stellten die Richter in ihrem Urteil fest.

Er sei davon «besessen», die Wahrheit ans Licht zu bringen und seinen Namen reinzuwaschen, sagte Depp zum Auftakt des laufenden US-Verfahrens. Dieser Prozess sei niemandem leicht gefallen, sinnierte der Schauspieler am Mittwoch im Zeugenstand. «Aber ganz gleich, was passiert, ich bin hierhergekommen und ich habe die Wahrheit gesagt». Nun haben sieben Geschworene das letzte Wort.

Jane Uhlig
Jane Uhlighttps://www.janeuhlig.de
Jane Uhlig ist Gründerin und Chef-Redakteurin von Janes Magazin. Sie publizierte Wirtschafts-Sachbücher-Bücher in Kooperation mit dem Campus Verlag und Hörbücher zum Thema Selbst-Coaching. Sie beschäftigt sich mit den Themen Lifestyle, Trends und Gesundheit, ist Yoga und Zumba-Trainerin für große Bühnen-Events und agiert als Moderatorin in zahlreichen Events, Konferenzen und Galas.
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