38. GOTS Kongress vom 15.-17. Juni in Luxemburg
Nahrungsergรคnzungsmittel, Schmerzmittel und Alkohol – deutsche Amateurgolfer greifen recht hรคufig zu Substanzen, die ihnen im Sport eher schaden als nutzen kรถnnen. Welche das sind und warum die Sportler das tun, darรผber referiert Bianca Werdelmann, Master of Sc. Sportphysiotherapie und Doktorandin an der Deutschen Sporthochschule Kรถln auf dem 38. GOTS-Jahreskongress in Luxemburg.
Beim Thema Doping gab es bislang eine groรe Forschungslรผcke im Golfsport. Bianca Werdelmann, die in ihrer Freizeit selbst aktiv Golf spielt, hat im Rahmen ihrer Masterarbeit eine bundesweite online Umfrage durchgefรผhrt. Die Erhebung ergab insgesamt 877 vollstรคndig beantwortete Fragebรถgen. Das Handicap (Spielpotential) der Teilnehmer lag zwischen 0 (sehr guter Amateurspieler) und 54 (Anfรคngereinstufung) und betrug durchschnittlich 23,3.
Die Auswertung zeigt, dass 40,1 % der Befragten beim Golfen Nahrungserganzungsmittel konsumieren. Unter den Teilnehmern an Golfturnieren waren es sogar 43,0 %. Die Mehrheit der Golfer (75 %) konsumiert Vitamine, gefolgt von Proteinen (32,95 %). Einnahmegrรผnde sind: 1. Gesunderhaltung, 2. Unterstรผtzung der Regeneration, 3. Vorbeugen von Verletzungen und Krankheiten, 4. Kompensation von unausgewogener Ernรคhrung, 5. Leistungssteigerung sowie 6. Behandlung von Krankheit.
Richtig erschreckend wurde es beim Thema Schmerzmittel. „Ein Drittel der Befragten gab an, diese rein prophylaktisch einzunehmen“, berichtet Werdelmann. Es konnte festgestellt werden, dass 46,6 % der Golfer Schmerzmittel konsumieren. Im Zusammenhang mit der Teilnahme an Golfturnieren steigt der Konsum von Schmerzmitteln (52,1 %) deutlich an. Die Mehrheit der Golfer (95,60 %) greifen zu Schmerzmitteln wie zum Beispiel Acetylsalicylsรคure und Ibuprofen. Einnahmegrรผnde sind dabei die Behandlung von akuten Schmerzen, die Verbesserung der Beweglichkeit, die Schmerzprรคvention, Unterstรผtzung der Regeneration und Leistungssteigerung. „Die beobachtete Konsumhรคufigkeit von Schmerzmitteln der befragten Golfer ist alarmierend, da dies zu gesundheitlichen Langzeitschรคden fรผhren kann“, berichtet Werdelmann.
Bei Alkohol zeigt die Auswertung, dass 40,4 % der Teilnehmer im Golfsport Alkohol konsumieren. Bei der Teilnahme an Turnieren steigt der Konsum von Alkohol (47,2 %) sogar an. Am meisten konsumiert wird Bier, gefolgt von Sekt. Danach rangieren schon die Spirituosen. Getrunken wird aber nicht etwa erst hinterher, sondern meist direkt, wรคhrend der Ausรผbung des Sports. Die Mehrheit der Golfer gab Geselligkeit als Grund fur den Alkoholkonsum an. Am zweithรคufigsten wurde „Lockerheit“ genannt. Zum Vergleich: in der Sportart Bogenschieรen ist Alkohol strikt verboten. Bogenschieรen unter Alkoholeinfluss erhรถht das Sicherheitsrisiko.
Der Konsum „verunreinigter“ Nahrungserganzungsmittel kann zu einem unbeabsichtigten Dopingbefund fuhren. Schmerzmittelkonsum kann bei Sportlern zu รberbelastungen sowie gesundheitlichen Langzeitschaden fuhren. Beschwerden und Schmerzen sollten stets von medizinischer Seite abgeklart und keinesfalls in Eigenregie therapiert werden. Neben gesundheitlichen Risiken birgt der Alkoholkonsum auf dem Golfplatz ein erhรถhtes Risiko fรผr Unfรคlle und Verletzungen. Schwere Schadelverletzungen, Augenverletzungen oder Knochenbruche konnen durch Golfschlager beim Ruckschwung oder durch fehlgeschlagene und querfliegende Golfballe entstehen. Ein geschlagener Golfball entwickelt hohe Geschwindigkeiten bis zu 300 Stundenkilometern (im Schnitt 180 km/h).
Dies ist auch der Grund, warum Werdelmann unter der Betreuung ihres Mentors Prof. Dr. Dr. Patrick Diel (Institut fรผr Kreislaufforschung und Sportmedizin, Mitglied im Zentrum fรผr prรคventive Dopingforschung) nun im Rahmen ihrer Promotion zu „“Doping im Golf“ weiterforscht.
Zur Pressemitteilung
Die trinationale (Deutschland, รsterreich, Schweiz) Gesellschaft fรผr Orthopรคdisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) ist der grรถรte europรคische Zusammenschluss von Sportorthopรคden und Sporttraumatologen. Sie ist erster Ansprechpartner in der Versorgung von Sportverletzungen und Garant fรผr Qualitรคt in der sporttraumatologischen Versorgung. Ihr Ziel ist es, das Verstรคndnis von sportlicher Belastung und Verletzungen zu verbessern, um die muskuloskelettale Funktion und Lebensqualitรคt zu erhalten. Dafรผr fรถrdert die GOTS die Aus-und Weiterbildung, die Forschung sowie den internationalen Austausch unter sportorthopรคdisch und sporttraumatologisch tรคtigen Medizinern und Berufsgruppen angrenzender Fachgebiete.
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