Was gute Fachkräfte heute können müssen
Kosmetikausbildung in Frankfurt: Norbert Engler im Interview über die Anforderungen an gute Fachkräfte
Hautpflege, Make-up und der persönliche Kontakt zu Menschen: Beautyberufe verlangen Fachwissen, handwerkliches Können und Einfühlungsvermögen. Sechs Fragen an Norbert Engler, Leiter der Kosmetikschule Norbert Engler in Frankfurt, über Ausbildung, Spezialisierung und einen verantwortungsvollen Umgang mit Schönheit.
Herr Engler, wer sich für Kosmetik begeistert, denkt häufig zuerst an Produkte und Behandlungen. Was gehört aus Ihrer Sicht noch zu diesem Beruf?
Norbert Engler: Zunächst einmal das Interesse am Menschen. Wer zu einer kosmetischen Behandlung kommt, bringt persönliche Wünsche, manchmal aber auch Unsicherheiten mit. Deshalb beginnt gute Arbeit mit Zuhören und genauem Hinschauen. Dazu kommen Kenntnisse über die Haut, Hygiene, die Auswahl geeigneter Produkte und eine sorgfältige Behandlung. Mir ist wichtig, dass angehende Fachkräfte ihre Entscheidungen begründen können. Sie sollen verstehen, weshalb sie etwas tun und wann sie auf eine Anwendung verzichten sollten.
Welche Schwerpunkte sind Ihnen bei der Ausbildung besonders wichtig?
Norbert Engler: Eine solide Grundlage und ausreichend praktische Übung. Hautbeurteilung, Pflege, Behandlungstechniken und Hygiene müssen sicher beherrscht werden. Ebenso wichtig ist die Beratung: Wie erkläre ich einer Kundin verständlich, was zu ihrer Haut passt? Wie gehe ich mit Erwartungen um, die sich nicht erfüllen lassen? Im Unterricht sollten solche Situationen genauso ihren Platz haben wie die einzelnen Handgriffe. Berufliche Sicherheit entsteht, wenn Wissen und praktische Erfahrung zusammenkommen.
Make-up bewegt sich zwischen natürlicher Schönheit und großer Inszenierung. Was müssen angehende Make-up-Artists lernen, um beides zu beherrschen?
Norbert Engler: Sie brauchen einen geschulten Blick für Gesichter, Proportionen und Farben. Ein Make-up muss zum Menschen und zum Anlass passen. Für eine Braut sind andere Überlegungen entscheidend als für ein Fotoshooting oder einen Laufstegauftritt. Auch Licht und Kamera verändern die Wirkung. Deshalb reicht es nicht, einen angesagten Look nachzuschminken. Man muss Techniken an unterschiedliche Gesichter anpassen können. Gerade ein natürlich wirkendes Make-up verlangt viel Präzision.
Neben einer umfassenden Ausbildung gibt es Sonderkurse und Spezialisierungen. Wann ist eine solche Weiterbildung sinnvoll?
Norbert Engler: Wenn sie zu den eigenen Kenntnissen und zum beruflichen Ziel passt. Wer bereits in der Branche arbeitet, kann einzelne Fähigkeiten vertiefen oder sein Angebot gezielt erweitern. Für Einsteiger kann ein klar umrissener Kurs eine Möglichkeit sein, ein Tätigkeitsfeld kennenzulernen. Entscheidend ist, sich vorher ehrlich zu fragen: Welche Grundlagen bringe ich mit, und was möchte ich anschließend sicher beherrschen? Ein Zertifikat allein ersetzt keine praktische Routine.
Apparative Kosmetik weckt große Erwartungen. Was sollte bei der Ausbildung im Umgang mit Geräten im Vordergrund stehen?
Norbert Engler: Das Verständnis für die jeweilige Anwendung. Bevor jemand ein Gerät einsetzt, muss er wissen, wie es funktioniert, für welche Anwendungen es vorgesehen ist und welche Grenzen bestehen. Dazu gehören eine sorgfältige Beratung und das Erkennen von Situationen, in denen eine Behandlung nicht geeignet ist. Auch die Pflege und hygienische Aufbereitung der Geräte sind wichtig. Professionalität zeigt sich darin, eine Anwendung fachlich beurteilen zu können und ihre Möglichkeiten realistisch zu erklären.
Soziale Medien zeigen täglich makellose Gesichter und neue Beautytrends. Welche Haltung möchten Sie Ihren Schülerinnen und Schülern dazu vermitteln?
Norbert Engler: Einen aufmerksamen, aber auch kritischen Blick. Trends können inspirieren und Freude an Gestaltung wecken. Gleichzeitig dürfen bearbeitete Bilder nicht zum Maßstab für echte Haut werden. Haut hat Struktur, und jedes Gesicht ist unterschiedlich. Unser Anspruch sollte sein, Menschen gut zu beraten und ihre individuellen Wünsche ernst zu nehmen. Für mich ist eine Behandlung dann gelungen, wenn jemand sich gut aufgehoben fühlt, das Ergebnis zu ihm passt und die Erwartungen ehrlich besprochen wurden.

