StartNewsStürmische Zeiten im Hause Windsor

Stürmische Zeiten im Hause Windsor

Affäre über Affäre und nun auch noch eine Corona-Infektion der Queen. Im Jahr des 70. Thronjubiläums der britischen Königin Elizabeth II. bleibt den Royals nichts erspart.

Die vergangene Woche hatte es in sich: Erst schloss Prinz Andrew einen wohl millionenschweren Vergleich mit Klägerin Virginia Giuffre in der Missbrauchsaffäre um seinen früheren Freund Jeffrey Epstein, dann kündigte die Polizei Ermittlungen im Umfeld von Thronfolger Prinz Charles an und Enkelsohn Prinz Harry zog im Streit um Polizeischutz gegen die Regierung vor Gericht. Die Woche endete mit der Mitteilung des Palasts, dass die Queen Covid-19 erkrankt sei.

Die Queen arbeitet von zu Hause aus

Die Queen habe nur milde Symptome und gehe weiterhin leichten Arbeiten nach, beschwichtigte der Palast, doch das Land hält trotzdem den Atem an. Die dreifache Impfung gegen das Coronavirus schürt die Hoffnung, dass die Monarchin bald wieder bei Kräften ist. Medien spekulierten, sie werde mit antiviralen Medikamenten behandelt, um die Wahrscheinlichkeit eines schweren Verlaufs zu mildern.

Den Genesungswünschen von Premierminister Boris Johnson schlossen sich Würdenträger und Politiker aus der ganzen Welt an: Indiens Regierungschef Narendra Modi und der Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, versprachen, für die britische Königin zu beten. «Unsere Gedanken und Gebete sind bei Ihnen», ließ auch der israelische Premier Naftali Bennett auf Twitter wissen. Kanadas Regierungschef Justin Trudeau wünschte im Namen von «Millionen von Kanadiern» eine schnelle und vollständige Genesung.

Das Thema bestimmte am Montag auch die Schlagzeilen der Zeitungen in Großbritannien. Viele lobten die Entscheidung der Königin, trotz Infektion weiter ihren Pflichten nachzugehen. «Queen keeps calm and carries on», titelte beispielsweise die «Metro». Spott handelte sich das Boulevardblatt «The Sun» ein mit der Schlagzeile «HRH to WFH», stark verkürzt für «Ihre Königliche Hoheit (Her Royal Highness) wird von zu Hause arbeiten (work from home)». Was die Blattmacher nicht bedacht hatten: Die Queen wird nicht als «Königliche Hoheit» sondern als «Ihre Majestät» (abgekürzt HM) bezeichnet.

Das Jubeljahr fängt trübe an

2022 sollte eigentlich das Jahr werden, in dem sich die Windsors nach schweren Zeiten ausgiebig feiern lassen wollten. Doch inzwischen wird längst von einem zweiten «annus horribilis», einem Schreckensjahr, gesprochen, wie die Queen selbst einmal das Jahr 1992 bezeichnet hatte, als die Ehen von drei ihrer vier Kinder zerbrachen und große Teile von Schloss Windsor einem verheerenden Feuer zum Opfer fielen.

Die dramatische Kaskade begann am Dienstag, als ein Gericht in New York eine Erklärung herausgab, die es in sich hat: «Virginia Giuffre und Prinz Andrew haben eine außergerichtliche Einigung erzielt», heißt es darin. Der geschlossene Vergleich, der den 62-Jährigen Berichten zufolge bis zu zwölf Millionen Pfund kosten soll, ist der vorläufige Endpunkt in Andrews Missbrauchsskandal. Ein rufschädigender öffentlicher Prozess gegen Giuffre, die ihm mehrfachen sexuellen Missbrauch vorwarf, ist damit abgewendet. Doch britische Medien werteten die Zahlung als Schuldeingeständnis. Das Boulevardblatt «Daily Mail» bezeichnete den kostspieligen Vergleich als «endgültige Demütigung» für Andrew. Sein Image und seine Chancen auf eine Rückkehr ins öffentliche Leben als Royal sind dahin.

Kaum war die Tinte der verdammenden Schlagzeilen getrocknet, kündigte die Londoner Polizei an, im Umfeld der Royals zu ermitteln. Im Zentrum der Affäre steht ein ehemals enger Mitarbeiter von Thronfolger Prinz Charles (73), der als Geschäftsführer von dessen wohltätiger Stiftung The Prince’s Foundation einem saudischen Geschäftsmann im Gegenzug für Spenden einen Ritterschlag und den britischen Pass in Aussicht gestellt haben soll. Der Palast beeilte sich, jegliche Kenntnis Charles‘ von dem angeblichen Vorgang zu dementieren. Unangenehme Reporterfragen an den Thronfolger blieben vorerst aus, denn Sturmtief «Eunice» zwang Charles, eine geplante Reise nach Wales abzusagen.

Prinz Harry sorgt sich um seine Sicherheit

Stattdessen sorgte am Freitag auch noch Prinz Harry aus der Ferne für Schlagzeilen. Weil er um die Sicherheit seiner Familie bei Besuchen in Großbritannien fürchtet, will der mittlerweile in Kalifornien lebende 37-Jährige weiterhin britischen Polizeischutz haben, wenn er auf Heimatbesuch ist. Er bot sogar an, selbst dafür zu bezahlen. Harry bekam jedoch eine Abfuhr, weshalb er sich nun vor Gericht mit der britischen Regierung anlegt. Ein Anwalt des Innenministeriums warf dem Royal in einer schriftlichen Stellungnahme mangelnden Respekt vor und bezeichnete sein Zahlungsangebot als «irrelevant». Ob das Verfahren eine Wiederannäherung von Harry und seiner Frau Meghan mit der Royal Family einfacher macht, ist fraglich.

Bleibt also noch die Queen. Nicht nur ist sie in Umfragen noch immer das mit Abstand beliebteste Mitglied der Königsfamilie, 2022 soll auch ihr Ehrenjahr werden: Seit 70 Jahren sitzt die 95-Jährige mittlerweile auf dem Thron, außerdem hat ihr Königreich nach Brexit, langen Lockdowns und Regierungskrise eine Party bitter nötig. Paraden, ein Konzert mit großen Stars vor dem Palast, eine spätere Sperrstunde in den Pubs und ein extra Feiertag sollen die Briten vereinen und die einzigartige Regentschaft der Queen würdigen. Geplant ist das Spektakel für Anfang Juni – also noch lange genug hin, um gesund zu werden.

Jane Uhlig
Jane Uhlighttps://www.janeuhlig.de
Jane Uhlig ist Gründerin und Chef-Redakteurin von Janes Magazin. Sie publizierte Wirtschafts-Sachbücher-Bücher in Kooperation mit dem Campus Verlag und Hörbücher zum Thema Selbst-Coaching. Sie beschäftigt sich mit den Themen Lifestyle, Trends und Gesundheit, ist Yoga und Zumba-Trainerin für große Bühnen-Events und agiert als Moderatorin in zahlreichen Events, Konferenzen und Galas.
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