StartNewsWas ist schon normal? - Mark Waschke wird 50

Was ist schon normal? – Mark Waschke wird 50

Wenn Mark Waschke sich durch Berlin bewegt, dann meistens auf zwei Rädern. So kommt der Schauspieler mit seinem Faltrad um die Ecke.

«Es ist eigentlich so ein bisschen wie die Verlängerung meiner Jugend, wo ich nie ein richtiges BMX-Rad hatte und jetzt mit dem gefederten Klapprad fahre», sagt Waschke. Sein Tipp fürs Radfahren in Berlin? «Richtig gute Bremsen und eine gute Lichtausrüstung.»

Der Wahl-Berliner, der diesen Donnerstag (10.3.) 50 wird, wurde im Ruhrgebiet (Wattenscheid/heute Bochum) geboren. Später zogen seine Eltern mit ihm ins Saarland, dort spielte er am Kindertheater. Anfang der 90er Jahre ging es für ihn dann nach Berlin – er studierte an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch gemeinsam mit anderen heutigen Schauspielgrößen wie Lars Eidinger oder Fritzi Haberlandt.

Herrscht in so einem Umfeld eine große Konkurrenz? Waschke überlegt kurz. «Natürlich mag man sich und versucht, gut miteinander klarzukommen, und man tut so, als würden auch alle an einem Strang ziehen. Aber letzten Endes will doch jeder die Hauptrolle haben und das ist auch oft sehr anstrengend und langweilig.»

Schöne Zeit mit Merit Becker

Seit 2015 ist eine von Waschkes Hauptrollen die Figur des Robert Karow im Berliner «Tatort». Vor einer Weile wurde bekannt, dass seine Kollegin Meret Becker aussteigt, stattdessen kommt Corinna Harfouch. Zunächst dreht Waschke jedoch noch eine Folge alleine. «Es ist eine gute Transition nach der sehr schönen Zeit mit Meret Becker, jetzt kurz alles alleine zu machen und dann zu schauen, wie es weitergeht», sagt der Schauspieler. Corinna Harfouch kenne er, doch bislang hätten sie noch nie miteinander gedreht.

Bei der Figur des Robert Karow sei ihm von Anfang an sehr wichtig gewesen, nicht zu erklären, warum er so sei, sondern einfach zu zeigen, dass er so sei. Waschke spielt damit auf eine «Tatort»-Episode an, in der der Kommissar in einer Bar einen Mann kennenlernt und mit nach Hause nimmt. Die Frage nach der sexuellen Orientierung des Ermittlers wurde nie geklärt.

«Da haben dann auch alle ganz aufgeregt gesagt: Da müssen wir die Interviewanfragen beantworten. Ist er denn nun schwul?», sagt Waschke. «Warum soll man das erklären? Wer fragt denn da?» Es sei das Jahr 2022, da gehe es nicht mehr darum zu erklären, warum jemand nicht heteronormativ lebe. Er wolle neue Geschichten und andere Selbstverständlichkeiten erzählen. «Ich finde grundsätzlich in meiner Arbeit wichtig, das, was alle so mitmachen, das, was scheinbar so als normal gilt, in Frage zu stellen», so der Schauspieler.

Überhaupt ist Identität ein wichtiges Thema für Waschke. Im vergangenen Jahr war er Teil eines queeren Manifests. Im Magazin der «Süddeutschen Zeitung» hatten sich Vertreter der Schauspielbranche zusammengeschlossen. Sie identifizieren sich selbst demnach als lesbisch, schwul, bisexuell, queer, nicht-binär oder trans*. Zu den Unterzeichnern gehörten etwa Maren Kroymann, Ulrike Folkerts, Ulrich Matthes oder eben Mark Waschke.

Dieser lässt ähnlich wie sein Serienermittler die Frage nach seiner Sexualität offen. «Das mag ich an dem Robert Karow spielen. Das ist wie sich gegen die Wand werfen und wie ein Flummi zurückkommen. Und insofern hat das was mit mir zu tun und immer wieder nichts zu tun», sagt Waschke.

Immer in Bewegung

Das Wort queer sei für ihn sehr befreiend gewesen. «Das ist nur queere Sexualität, ein Überbegriff, unter dem ganz viel möglich ist und sein kann, und man muss es nicht genau benennen. In der idealen Welt, von der ich träume, braucht es die Begriffe „Mann“ und „Frau“ noch nicht mal mehr», sagt der Schauspieler, der beim Reden immer in Bewegung ist. Die Hände gestikulieren, die Augen wandern im Raum umher.

«Die Schwierigkeit bei diesem ganzen Identitätswahnsinn ist, dass man den eigentlich nicht braucht, und dass man natürlich aber doch die Begrifflichkeiten braucht in dem Befreiungsprozess», führt er weiter aus. «Diese Diskussion über das Gendern ist komplett nötig, auch wenn man hinterher vielleicht ganz woanders ankommt.»

Waschke, der Vater einer Tochter ist, wohnt inzwischen schon lange in Berlin. Er lebt gerne hier, auch weil die Hauptstadt immer internationaler werde. Manche regten sich darüber auf, dass man im Café in Mitte auf Englisch bestellen müsse. «Ja, und? Dann bestellst du halt auf Englisch», sagt Waschke. «Zum Glück ist Berlin nicht Deutschland. Sagen wir so, ich lebe gerne in Berlin. So gerne, weil es nicht ganz so deutsch ist wie der Rest des Landes.»

Jane Uhlig
Jane Uhlighttps://www.janeuhlig.de
Jane Uhlig ist Gründerin und Chef-Redakteurin von Janes Magazin. Sie publizierte Wirtschafts-Sachbücher-Bücher in Kooperation mit dem Campus Verlag und Hörbücher zum Thema Selbst-Coaching. Sie beschäftigt sich mit den Themen Lifestyle, Trends und Gesundheit, ist Yoga und Zumba-Trainerin für große Bühnen-Events und agiert als Moderatorin in zahlreichen Events, Konferenzen und Galas.
- Advertisment -

Neueste Beiträge

Das könnte dir auch gefallen!

Mental health matters!

Der World Mental Health Day am 10. Oktober erinnert uns daran, wie wichtig psychische Gesundheit ist Bestimmt haben Sie schon öfters gehört, wie wichtig psychische...

THE AUDIT startet mit AI-native Ansatz für Abschlussprüfungen

THE AUDIT startet mit AI-native Ansatz für Abschlussprüfungen Weniger Aufwand, mehr Struktur: Neue Wege in der Abschlussprüfung Neue Wirtschaftsprüfungsgesellschaft setzt auf standardisierte Prozesse, Automatisierung und künstliche...

Meliá Frankfurt City / COSMOPOLIS Fashion Celebration 2027: Frankfurt sucht Models

Meliá Frankfurt City I COSMOPOLIS Fashion Celebration 2027: Frankfurt sucht Models für internationalen Laufsteg Jetzt bewerben: Castings vom 9. bis 11. Januar 2027 im Meliá Frankfurt...

Festivalreisen 2027: Mit IKARUS TOURS zu internationalen Kulturfesten

Festivalreisen 2027: Mit IKARUS TOURS zur Ardh Kumbh Mela in Indien und zu Kulturfesten in Westafrika Seltene religiöse Feste, jahrhundertealte Rituale und authentische Begegnungen: Die...

IKARUS TOURS: Neue Fernreisen und Europareisen 2027

IKARUS TOURS veröffentlicht Kataloge für Kleingruppenreisen: Neue Fernreisen und Europareisen 2027 Frankfurt am Main /Königstein, 01. Oktober 2026 Die Welt neu entdecken: Mit FERNE WELTEN 2027...

„Emanuell Charis ist ein wertvoller Schatz“ – wer ist die Frau an seiner Seite?

Der berühmte und erfolgreiche Hellseher Emanuell Charis kommt mit einer eleganten Begleiterin zu einem Club in Athen. Auf die Frage, ob die beiden ein...

Eine Nacht Hamburg auf der MS Queen: Dinner-Show feiert Premiere

Eine Nacht Hamburg auf der MS Queen: Dinner-Show feiert Premiere Roter Teppich an den Landungsbrücken, Live-Entertainment, Drei-Gänge-Buffet und Partystimmung auf der Elbe: Mit „Eine Nacht...

REISEN NACH EIGENEM RHYTHMUS: IKARUS TOURS LEGT INDIVIDUALREISEN 2027/28 VOR

REISEN NACH EIGENEM RHYTHMUS: IKARUS TOURS LEGT INDIVIDUALREISEN 2027/28 VOR Der neue Katalog AUF MEINE TOUR bündelt knapp 60 privat organisierte Reisen auf allen Kontinenten...

Make-up-Artist-Ausbildung in Frankfurt: CATWALK verbindet Erfahrung, Praxis und Kreativität

Make-up-Artist-Ausbildung in Frankfurt: CATWALK verbindet Erfahrung, Praxis und Kreativität Seit mehr als 45 Jahren bildet die CATWALK Make-up Artist School in Frankfurt Menschen für die...