StartNewsAction und Adrenalin: Jochen Schweizer wird 65

Action und Adrenalin: Jochen Schweizer wird 65

Er hätte nicht gedacht, jemals 65 Jahre alt zu werden. «Bis ich Anfang 30 war, hatte ich gar keine Zukunftspläne, ich wollte nur wild leben und Action haben», erinnert sich der Abenteurer und Unternehmer Jochen Schweizer.

«Wir haben damals hohe Risiken in Kauf genommen, um das Besondere zu erleben. Es haben leider einige Jungs viel zu früh den Preis bezahlt.» Doch mit den Kindern sank die Risikobereitschaft, am Donnerstag (23. Juni) feiert Schweizer nun tatsächlich seinen 65. Geburtstag. «Und ich hoffe, dass ich das Glück habe, sehr alt zu werden.»

Top-Kanute und Bungee-Guru

Aufgewachsen ist der mit «Erlebnisgeschenken» und der TV-Show «Höhle der Löwen» bekannt gewordene Schweizer in ärmlichen Verhältnissen in Heidelberg. Als er sich als Siebenjähriger mit dem Putzen von Miet-Tretbooten auf dem Neckar etwas hinzuverdiente, verfiel er dem Kajaksport – und erarbeitete sich später mit Befahrungen wilder Flüsse und spektakulärer Wasserfälle einen derartigen Ruf, dass der Modeunternehmer und Filmemacher Willy Bogner ihn als Stuntman engagierte.

Während einer Drehpause experimentierte er mit anderen Wildwasserfreaks mit einem selbstgebauten Bungee-Seil herum. Das Los bestimmte, dass Schweizer es ausprobierte – was in einen auf Film gebannten Sprung von einer Staumauer mündete. «Da haben sie mich plötzlich über Nacht aufs Schild gehoben. Dabei hätte jeder springen können, da war nichts dabei», erinnert sich Schweizer. «Ich war gar nicht so glücklich, dass ich in der öffentlichen Wahrnehmung nicht mehr der Top-Kanute war, sondern der Bungee-Guru.»

Ein Sprung aus dem Hubschrauber als Wendepunkt

Wirtschaftlich gesehen hat Schweizer dieses Etikett jedoch nicht geschadet, denn er wusste ein Geschäft daraus zu machen: Er eröffnete mehrere Sprunganlagen und verkaufte rund 600.000 Sprünge binnen zehn Jahren. Bei der Vermarktung halfen auch die öffentlichkeitswirksam inszenierten Aktionen des bis heute medienaffinen Schweizers: So erzielte er etwa im Rahmen einer Marketing-Aktion im Jahr 1997 mit einem 1000-Meter-Bungee-Sprung aus dem Hubschrauber einen Weltrekord.

Dieser Sprung markierte aber zugleich einen Wendepunkt: «Das war ein sehr gefährlicher Stunt. Ich war schon 40 und brauchte das Geld eigentlich nicht mehr», erinnert sich Schweizer. Sein achtjähriger Sohn habe ihm die Augen geöffnet, als er ihn bat, dieses Wagnis nicht einzugehen. Schweizers Antwort: «Ich habe den Job angenommen und mache das jetzt, weil ich es gesagt habe, dass ich es mache. Aber ich verspreche dir, es wird mein letzter Stunt, und ich bin heute Abend bei dir und bringe dich ins Bett.» Danach habe er seine Risikobereitschaft drastisch reduziert.

Rundum-sorglos-Pakete für Abenteurer

In seinem «zweiten Lebensdrittel» fokussierte sich Schweizer auf seine unternehmerischen Tätigkeiten. «Ich habe früh gelernt, dass persönliche Freiheit finanzielle Unabhängigkeit voraussetzt.» Breit bekannt wurde der gelernte Logistiker mit «Erlebnisgutscheinen» – vom Baggerfahren über Alpaka-Wanderungen bis zum Überlebenscamp konnten Erlebnishungrige dabei Rundum-sorglos-Pakete buchen.

Seitdem er den Geschäftszweig mit der Vermittlung Erlebnisse Dritter im Jahr 2017 verkauft hat, konzentriert sich Schweizer auf seine Freizeit-Arena in Taufkirchen bei München. Es ist sein letztes Projekt, bevor er in die nächste Lebensphase hinübergleiten will: «Es muss perfekt sein, es muss einfach absolut großartig sein. Das ist es jetzt schon, aber es ist noch nicht fertig, deshalb werde ich noch sehr viel Energie in den Ausbau der Arena mit einem Tagungszentrum und einem Hotel investieren», kündigt Schweizer an, der auch sonst sein Licht nicht unter den Scheffel stellt.

Er will irgendwann «anständig sterben»

Die Füße hochlegen wird der jung geblieben Bartbürsten-Liebhaber mit den markanten Brillen auch danach sicher nicht: «Ich will schreiben, und ich möchte Wissen weitergeben. Und nach einem erfüllten Leben irgendwann anständig sterben», skizziert Schweizer seine Wünsche. Schon jetzt genießt er als Vortragsredner das Rampenlicht und hat kürzlich ein weiteres Buch veröffentlicht, in dem er seine Lebensweisheiten darbietet.

Unerfüllte Träume habe er keine, bilanziert Schweizer. «Alles, was ich machen wollte, habe ich gemacht, und alles, was ich machen möchte, werde ich machen.» Für den Sammler alter Mahagoni-Rennkajaks wird der Kajaksport sicher weiter eine wichtige Rolle spielen – wenn auch eher geruhsam auf langen Seekajak-Wanderungen in Norwegen, wo er eine Hütte hat, statt durch wilde Gebirgsflüsse. Denn in dem Zustand der Gedankenlosigkeit auf dem Wasser fühlt sich der Yoga praktizierende Schweizer zuhause: «Paddeln ist Zen.» Und damit für ihn die größte Freiheit.

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